DADA_IST FILM – Eine Filmnacht mit Thomas Tode

29. November 2016, 19:00
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Die jähen Lautgedichte, schrillen Gemälde und schroffen Fotomontagen von George Grosz und John Heartfield fanden ihren Nährboden in der Dada-Bewegung. Am 5. Februar 1916, vor genau 100 Jahren, eröffnen Hugo Ball, Emmy Ball-Hennings und Richard Hülsenbeck das Cabaret Voltaire in der Züricher Spiegelgasse. Schon bald stießen Hans Arp, Marcel Janco und Tristan Tzara hinzu und schmieden den späteren Gruppennamen Dada (frz. „Spielzeugpferd“, Chronique Zurichoise 26.2.1916). Als erstes riss Dada die Geordnetheit der verschiedenen Kunst-Disziplinen nieder, schuf eine Bastard-Mischkunst aus Sprache, Gemälde, Laut, Film, Foto, Collage: eine wilde, böse, freche, selbstgebastelte Kunst. Das „Cabaret“ ist nicht zufällig eine schöne Metapher für so ein gemischtes Programm, in dem ein Kollektiv aus Einzelkünstlern zusammenarbeitet und die Einzelnummern auf einander einwirken. So einen Abend werden wir mit Dada-Filmen choreographieren, eingeführt und kommentiert von dem Hamburger Filmemacher Thomas Tode.

In René Clairs dadaistischem Pausenfüller Entr’acte (F 1924, 22’) zerlegen sich die Bilder, laufen rückwärts oder in Zeitlupe, wie bei jenem feierlichen, von einem Kamel angeführten Leichenzug, bei dem die Trauergäste rennen müssen, um mit dem Sarg mitzuhalten. Mit Picabia, Satie, Ray, Duchamp. In Ballet Mécanique (F 1924, 14’) choreografieren Fernand Léger und Dudley Murphy Maschienenteile und industriell gefertigte Gegenstände in rhythmischen Bewegungen, vertont von George Antheil mit rasant spielenden Musikautomaten, Sirenen, Klingeln und Flugzeugpropellern. In Hans Richters Vormittagsspuk (D 1929, 7′) proben die Dinge den Aufstand gegen den Menschen: Hüte fliegen in Formation umher, Kaffeetassen zerschellen, eine Fliege lässt sich nicht binden, Männer tollen im Garten herum, u.a mit Milhaud, Hindemith, Graeff und Richter. Für diesen dadaistischen Unsinn wurde der Regisseur von SA Leuten zusammengeschlagen. En dag i staden (S 1956, 20′) von Pontus Hultén und Hans Nordenström ist eine als Stadtporträt Stockholms getarnte Verhonepiepelung von Obrigkeit, Bürgertum und Verwaltungsstaat, vor allem mit Hilfe von stets wiederkehrenden Filmloops.

Referenten

Thomas Tode

Location

Münzenbergsaal, Franz -Mehring-Platz 1 D-10243 Berlin

Partner / Veranstalter

Münzenberg Forum Berlin

Kontakt

montage_16@franzmehringplatz.de

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