Brechts Radiotheorien in Zeiten des Internets und sozialer Netzwerke

01. März 2018, 19:00
diskussion  
1929 formulierte Bertolt Brecht seine Radiotheorie. Nun, fast 90 Jahre später, scheint die Chance zu bestehen, den Rundfunk aus einem, wie Brecht schrieb, „Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln. Der Rundfunk wäre der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, das heißt, er wäre es, wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer nicht nur hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn auch in Beziehung zu setzen.“ Und dies schon seit einiger Zeit.
Doch warum sind die Medien, insbesondere der öffentlich-rechtliche Rundfunk, von dieser Idee immer noch meilenwert entfernt. Steffen Grimberg stellte schon vor einiger Zeit fest: „Die Kernfrage lautet: Waren die ‚alten‘, etablierten Kanäle wie Presse, Radio und Fernsehen also in gewissem Sinne – und bitte in Anführungsstrichen – schlicht ‚asozial‘ – und sind sie es, da sie ja weiter existieren, am Ende immer noch? Auch wenn das wahrscheinlich keiner hören will: Die Antwort ist ‚Ja‘! Denn ein soziales Miteinander zwischen klassischen medialen Akteuren – vulgo: Journalisten – und ihrem Publikum fand von Beginn an schlicht nicht statt. … Die Rollenverteilung von Sendern und Empfängern war über rund anderthalb massenmedial vermittelte Jahrhunderte klar.“*
Warum gibt es bis heute kein massenhaftes „soziales Miteinander“ von Journalistinnen und Journalisten und Publikum? Unter welchen Bedingungen kann sich die Rollenteilung ändern? Unter welchen Voraussetzungen können „soziale“ Medien entstehen und sich der mediale Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat wandeln?
* Steffen Grimberg: Das Ende der Deutungshoheit. Die Vierte Gewalt und die neue Macht der Vielen. Blätter für internationale Politik, 09/2015, S. 103 ff.

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