F.A.Q.

16. September 2015
chronik  

Das Münzenberg-Forum ist ein lockerer Verbund wissenschaftlicher Projektgruppen und Trägern politisch-kultureller Bildung. Über 70 Jahre nach dem Tod Willi Münzenbergs gibt es sich die ehrwürdige Aufgabe, in aller Welt verstreute Dokumente zu Willi Münzenberg in Wort, Bild und Ton zu sichten, zu sichern und im Rahmen eines frei zugänglichen Erinnerungsfundus zu Verfügung zu stellen. Es fühlt sich der historischen Aufarbeitung der Lebensleistung Münzenbergs und der internationalen Solidaritätsbewegungen verpflichtet, liefert eine Plattform für die internationale Forschung und will davon ausgehend Impulse in die analogen und virtuellen Gegenwarten aussenden. Eine zentrale Aufgabe sieht es in der Vorbereitung und Ausrichtung des Ersten Internationalen Willi-Münzenberg-Kongresses.

Vom Willi-Münzenberg-Projekt zum Internationalen Willi-Münzenberg-Kongress:
Kurzvorstellung der Initiative

Mit der noch andauernden “Archivrevolution” in Ost- und West ist seit Ende des letzten Jahrhunderts ein Perspektivenwechsel verbunden, der die Rolle und das Leben vormals zu “Unpersonen” erklärter Akteure in neuem Licht erscheinen lässt – unter ihnen der Verleger, Filmproduzent, Agitator und Organisator Willi Münzenberg (1889-1940).

Die Europäische Willi-Münzenberg-Arbeitstagung und die Berliner Ausstellung “Vom Verschwinden Willi-Münzenbergs – Fundstücke einer Freilegung” bildeten im Oktober 2012 ein Forum, auf dem erstmals in Deutschland die Person und das Wirken Willi Münzenbergs wissenschaftlich gewürdigt wurden. Allgemeiner Tenor nach den Veranstaltungen war der Wunsch, diese Initiative weiter auszubauen und auf einen internationalen Kongress hinzuarbeiten. Eine weitere Idee bestand darin, ein integriertes Internetportal zu entwickeln, das die Tagung multimedial dokumentiert, die Kongressvorbereitung begleitet und dem Forum eine beständige Internetpräsenz ermöglicht.

Wir freuen uns, die neue Internet-Plattform der Öffentlichkeit vorstellen zu können. Sie verbindet historische Aufarbeitung und Memoria, wissenschaftliche Forschung und politisch-kulturelle Bildung. Letzteres erfuhr über das Jahr 2013 verteilt bereits eine erste Übersetzung mit der Veranstaltungsreihe “Münzenberg-Lektionen”, in deren Rahmen Lesungen, Podiumsdiskussionen, ein Theaterabend und Konzerte ausgerichtet wurden. (Veranstaltungen)

Ziele und Spezifika des Internet-Auftritts

* Die multimediale Chronik als Kernstück des Internet-Portals erlaubt einen umfassenden Einblick in Münzenbergs Leben als eine Geschichte der sozialen, politischen und kulturellen Bewegungen und Solidaritätsnetzwerke der ersten Hälfte des XX. Jahrhunderts.

* Mit dem Portal löst das Forum den Anspruch der “Digital Humanities” ein, die internationale vergleichende wissenschaftliche Forschung der globalen sozialen, politischen und kulturellen Bewegungen des XX. Jahrhunderts gegen die beiden Weltkriege, gegen Faschismus, politische und ökonomische Ausbeutung, Kolonialismus, Rassismus und nicht zuletzt gegen die Unterdrückung der Frauen zu dokumentieren und zu fördern. Die Würdigung der Lebensleistung Münzenbergs wird so notwendigerweise zum Ausgangspunkt eines kritischen Blicks auf die Geschichte linker Parteien und Bewegungen im XX. Jahrhundert.

* Zugleich wirkt das Portal mit Angeboten zur politisch-kulturellen Bildung auch als Anlaufstelle für die historisch interessierte Öffentlichkeit. Die Recherche-, Archiv- und Diskussionsplattform ist im Aufbau begriffen. In einer nächsten Erweiterung ist die Visualisierung unterschiedlicher medialer Darstellungsformate (Dokument, Buch, Video, Audio) auf einer elektronischen Wandzeitung (“Masonry Wall”) geplant. Vorgesehen sind desweiteren eine Kollektivbibliographie der Protagonisten und eine interaktive Landkarte globaler Solidaritätsbewegungen der ersten Hälfte des XX. Jahrhunderts.

* Das “Gedächtnis des Exils” und des Widerstands in europäischer Perspektive sollen neu erinnert und fokussiert, zeit- und konjunkturbedingte ideologisch-verzerrte Sichtweisen dabei überwunden werden. Zu diesem Zweck betreibt das Münzenberg-Forum ein laufendes Forschungs- und Veranstaltungsjournal auf der Seite.

* Nicht zuletzt arbeitet das Münzenberg-Forum parallel zur kontinuierlichen inhaltlich-thematischen Erweiterung des Internet-Portals an der Vorbereitung des internationalen Willi-Münzenberg-Kongresses.

Das internationale Netzwerk im Aufbau – Aufruf zur Unterstützung

Die konzeptionelle Entwicklung und die redaktionelle Gestaltung des Portals erfolgten mit Unterstützung der Berliner Grundstücksgesellschaft Franz Mehring-Platz 1, der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Universität Akademie Abo (Finnland) durch die Projektkoordinatoren Bernhard H. Bayerlein und Uwe Sonnenberg. Technik und Design realisiert in anspruchsvoller Weise die Berliner Firma Keksbox.

Wir rufen interessierte Institutionen, Personen, literarische und kulturelle Gesellschaften und Vereine zur Unterstützung des Münzenberg-Forums auf: Inhaltliche Beiträge und Hinweise auf Dokumente, Publikationen, Projekte und Veranstaltungen sollen in die kooperative Vorbereitung des Kongresses einfliessen. Auch finanzielle Unterstützung, besonders für Reisestipendien für Teilnehmer aus Asien, Afrika und Lateinamerika wird notwendig sein. Ein Call for Papers wird Anfang 2014 veröffentlicht.

Kontakt: Bernhard H. Bayerlein (Institut für soziale Bewegungen, Ruhr-Universität Bochum, bernhard.bayerlein@rub.de), Uwe Sonnenberg (Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam, uwe.sonnenberg@web.de) oder Holger Weiss (Abo University Academy, holger.weiss@abo.fi).

13.12.2013