Nacht über Berlin. Der Kampf um den roten Friedrichshain 1933
Die Lichter gehen nicht sofort aus. Noch laufen die Abende im Plaza weiter, während draußen die Stadt kippt. Januar 1933: Machtwechsel. Februar: Flammen im Reichstag. März: Wahlen, deren Zahlen von einer tief gespaltenen Stadt erzählen. In Friedrichshain, einem Bezirk der Arbeiter, halten KPD und SPD lange die Mehrheit – und doch beginnt etwas zu bröckeln. Auf den Plätzen dröhnen Lautsprecher, Massen verharren im Halbdunkel, hören, zweifeln, jubeln vielleicht. Eine neue Zeit tastet sich durch die Straßen.
Rund um den Küstriner Platz schlägt das politische Herz des „roten Berlin“. Kneipen werden zu Treffpunkten, Hinterzimmer zu Schaltstellen, Häuser zu Knoten eines dichten Netzes aus Organisation, Hoffnung und Streit. Doch die Gegenseite wächst. Erst leise, dann immer lauter. Propaganda, Straßenschlachten, Provokationen. Namen tauchen auf, werden zu Symbolen, zu Mythen. Die Gewalt gewinnt Raum, die Krise liefert den Nährboden. Was als lokaler Konflikt beginnt, wird Teil einer größeren Erzählung – und diese kennt bald nur noch Sieger und Verfolgte.
Mit 1933 verschieben sich die Grenzen endgültig. Verhaftungen, Verbote, Misshandlungen. Menschen verschwinden, andere tauchen unter. Das Plaza bleibt zunächst ein Ort der Unterhaltung – und wird zugleich zu einem Ort des Widerstands, versteckt zwischen Musik, Licht und Applaus.
Im Gespräch mit dem Historiker Dr. Oliver Reschke beleuchten wir die wechselvolle Geschichte des roten Friedrichshain, einem Viertels, das trotz wachsender Repression widerständig blieb.
Die Veranstaltung findet im Rahmen der Buchpräsentation zur Geschichte des Platzes statt. Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung wird gebeten.
Erstellt am: 30.04.2026
zuletzt geändert am: 5.05.2026
