Kunstwettbewerb 2025

Der Krieg beginnt nicht mit dem ersten Schuss

Unser Kunstwettbewerb 2025 steht im Zeichen von Krieg, Demokratie und Widerstand.
80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs prägen Kriege, Aufrüstung und der Aufstieg autoritärer Kräfte erneut unsere Gegenwart. Wir laden dazu ein, sich künstlerisch mit den Ursachen von Krieg, seinen Folgen und den Möglichkeiten von Frieden und gesellschaftlichem Widerstand auseinanderzusetzen. Bis zum 7. August hattet ihr Zeit, uns eure Einsendungen in den drei Kategorie Foto, Film und Collage zuzusenden.

Die Preisträger*innen

Nehmt Zeitungen, nehmt Scheren -Preis

1. Preis

Der erste Preis in der Kategorie Collage geht an Moritz Becker, er erhält dafür ein Preisgeld von 2.000,-€.

Die Collagenserie „Ewig kann nicht Winter sein“ entwickelt eine vielschichtige Analyse politischer Gewalt durch die systematische Überlagerung unterschiedlicher Zeitebenen. Pressefotos rechter Gewalt nach 1945 verschmelzen mit zeitgenössischen Dokumentationen zu einem dichten Netzwerk historischer Kontinuitäten. Fotografien politisch aufgeladener Orte – der Parkplatz des NSU- Wohnmobils, die Straßen von Rostock-Lichtenhagen, der Garagenkomplex in Jena, in dem Adresslisten und Bomben gefunden wurden – verbinden sich mit architektonischen Plänen nationalsozialistischer Bauten zu einer visuellen Untersuchung deutscher Gewaltgeschichte.
Die Arbeiten verweben diese dokumentarischen Fragmente mit Pressetextauszügen sowie mit Abbildungen öffentlicher Persönlichkeiten verschiedener Epochen. Diese Materialsammlung untersucht die komplexen Verflechtungen zwischen historischen und zeitgenössischen Formen politischer Gewalt. […]

2. Preis

Der zweite Platz in der Kategorie Collage geht an Sasha Kurmaz mit einem Preisgeld in Höhe von 1.500,-€.

3. Preis

Den 3. Platz teilen sich Lena-Maria Stupitzky mit „Tentakuläre Landwirtschaft – Die Flurbenruhigung“ und Younghyun Min mit „Identität – Cheorwon Calling“, die jeweils ein Preisgeld in Höhe von 600,-€ erhalten.

DO NOT ENTER Wiedergerufene Erinnerung, 2025

Foto als Waffe -Preis

1. Preis

Den ersten Preis in der Kategorie Fotografie konnte Jan Lessmann erringen, wofür er ein Preisgeld in Höhe von 2.000,-€ erhält.

Die Arbeit Gebrauchsgegenstände versammelt gefundene Angebotsfotos von Online-Auktionsplattformen wie u.a. Ebay. Diese digitalen Marktplätze begreife ich als kollektive Bildarchive. In diesen werden Objekte dokumentiert, kategorisiert und in Umlauf gebracht. Die dort zirkulierenden, oft beiläufig aufgenommenen und scheinbar profanen Fotografien gewähren teilweise Einblick in die Lebensrealitäten der Menschen die diese Objekte verkaufen. Ihre uns vertraute Bildsprache schafft Nähe und suggeriert wie eng diese Gegenstände mit unserem Alltag verwoben sind.
Die Gesammelten Gegenstände re-enacten Tatwaffen rechter Morde in Deutschland zwischen 1990 und 2023. Die stringente, serielle Anordnung der Bilder in einem Raster soll den Blick nicht primär auf Einzelfälle richten lassen, sondern die bestehende Struktur und Vernetzung dahinter zu erkennen geben. Durch die Sammlung und Re-kontextualisierung der Gegenstände wird offengelegt wie tief rechte Gewalt in das alltägliche Leben eingeschrieben ist. […]

2. Preis

Die Jury hat sich in diesem Jahr für drei zweite Plätze entschieden – Steffen Ullrich, Esper Postma und Elinor Zoë Karl, die jeweils 1.000,-€ erhalten.

Die Arbeit [von Steffen Ullrich] mit dem Titel »Folge deiner Einberufung« widmet sich der aktuellen Debatte um die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Dahingehend wurden Jugendliche bzw. junge Erwachsene im sog. wehrpflichtigen Alter portraitiert, die im Falle einer politischen Entscheidung unmittelbar betroffen wären. Den stillen, eindringlichen Portraits wurde Archivmaterial aus dem Nachlass der Urgroßeltern gegenübergestellt, welche den 2. Weltkrieg erlebt haben. Auf diese Weise verwebt die Arbeit persönliche Geschichte mit gesellschaftlicher Gegenwart und fragt noch Kontinuität von Verantwortung, Erinnerung und politischer Entscheidung. Die fotografische Arbeit schlägt einen Bogen von „Nie wieder Krieg“ zur aktuellen For-
derung nach einer „wehrhaften Gesellschaft“ – und konfrontiert das Publikum mit der Frage: Was bedeutet Wehrpflicht
heute? Und für wen? […]

Memory Games von Esper Postma: In 1981, Konrad Wolf warned, “War does not start with the first shot.” Memory Games brings this idea into focus by revealing how ideology seeps into daily routines. From a drone’s viewpoint, these images capture people playing soccer, tossing a frisbee or skateboarding across the mosaicked square of Rome’s Foro Italico; once the Foro Mussolini. What appears as innocent recreation becomes, through the camera’s perspective, a confrontation with the ideological imprint beneath their feet. […]

Heiteres aus Kamerun von Elinor Zoë Karl: Im Bundesarchiv finden sich 867 Fotografien zur Suchanfrage „Kamerun“. Die meisten stammen aus der Zeit von 1884 bis 1919 als Kamerun eine von acht deutschen Kolonien war. Sie zeigen ein vertrautes Bildrepertoire: exotisierende Darstellungen von Land und Leuten. Doch besonders auffällig sind jene Bilder, auf denen sich deutsche Kolonialisten in weißen Tropenanzügen selbst inszenieren: In „Siesta im Hafenhaus“ (Originaltitel, 1903) liegen sie entspannt in geflochtenen Rattan Liegestühlen. In „Heiteres aus Kamerun“ (Originaltitel, 1903/1905) reitet ein Mann auf einer Ziege. Es sind Bilder einer demonstrative Selbstvergewisserung der meist anonym gebliebenen Täter.

Erobert den Film -Preis

1. Preis

Die Jury in der Kategorie Film hat in diesem Jahr zwei erste Preise vergeben – an Luise Fiedler und an Timon Ott. Beide erhalten dafür je 2.000,-€ Preisgeld.

Der Animationsfilm „Flächendecken“ [von Luise Fiedler] ist ein visueller und inhaltlicher Kommentar über die Verlagerung von Verantwortung durch symbolische Gesten im Kontext globaler Krisen. Während die Aufmerksamkeit der westlichen Welt auf die „großen“ Konflikte gelenkt ist – medial präsent und politisch verwertbar –, bleiben unzählige andere Schauplätze von Hunger, Gewalt und Krieg im Schatten. Die Reaktion: Hilfsgelder, Spenden, Betroffenheit – und das Bedürfnis, das eigene Gewissen zu beruhigen, ohne sich mit den tieferliegenden Ursachen oder Verstrickungen auseinanderzusetzen. […]

Die Uniformierten von Timon Ott: Der Film begleitet junge Rekrut*innen der Bundeswehr während der ersten Wochen ihrer Grundausbildung. In einer Mischung aus dokumentarischer Beobachtung und fiktionalen Elementen entsteht das Porträt eines Systems, das geprägt ist von Disziplin, Gruppendruck und ritualisierter Ordnung. Erzählt wird aus der Perspektive des 18-jährigen Frederick, der sich für 17 Jahre zum Dienst verpflichtet hat und beginnt, die scheinbare Klarheit seiner neuen Umgebung zu hinterfragen.

[Video]

2. Preis

Auch den 2. Platz teilen sich dieses Jahr zwei Personen, die jeweils 500,-€ als Preisgeld erhalten. Fariba Buchheim gewann mit dem dokumentarischen Kurzfilm A War I’ve Never Seen neben Benjamin Hujawas Kurz-Dokumentarfilm Aus der Ferne.

Buchheim schreibt: „Der Krieg beginnt nicht mit dem ersten Schuss“ – dieses Zitat von Konrad Wolf beschreibt eine stille Wahrheit: Kriege entstehen in Gedanken, Erzählungen und Imaginationen, lange bevor sie real werden. Mein dokumentarischer Kurzfilm A War I’ve Never Seen greift diese Idee auf und rückt eine Form des Krieges ins Zentrum, die sich nicht in Schüssen äußert, sondern in Reenactments, Rollenbildern und persönlichen Projektionen. […]

[Video]

Aus der Ferne: Die in Deutschland geborene Anna hat ein distanziertes Verhältnis zu ihrem Vater Hung und dessen Geburtsland Vietnam. Hungs traditionelle Vorstellungen und Werte widersprechen Annas Lebenszielen. Der gegenseitige Kontakt ist auf ein Minimum beschränkt. Doch dann stößt Anna auf eine Dokumentation, in der ihr Vater auftaucht. Dort schildert er,
wie er 1992 die Nacht als Bewohner des sogenannten Sonnenblumenhauses in Rostock-Lichtenhagen erlebte, welches Ziel von
rassistisch motivierten Ausschreitungen und Brandanschlägen wurde. Anna, die von alldem nichts wusste, sieht sich plötzlich mit der Kultur und Geschichte ihres Vaters konfrontiert – und damit auch mit ihren eigene Gefühlen zu ihm.

[Video]

Die Jury

In der Jury für die Kategorie Collage sitzen Maryna Shtanko, Gewinnerin des Jahres 2023, Sebastian Helm und Koywe Kollage.

Für die Kategorie Foto sitzt der Fotograf und Licht-Designer Massimiliano Corteselli, der im Jahr 2023 Erstplatzierter war, in der Jury, sowie Fotografin Katja Strempel und Fotograf Sebastian Wells.

Die Jury in der Kategorie Film besteht aus Peter Badel, Kameramann und ehemaliger Professor für Kinematography an der Filmuniversität Babelsberg, Marlena Molitor, Gewinnerin der Kategorie Film aus dem Jahre 2023, sowie Marion Brasch, Schriftstellerin und Hörfunkjournalistin.

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